Montag, 19. März 2012

Patentprobleme

Ich habe am vergangenen Donnerstag meine Bachelorarbeit abgegeben. Nun kann ich ein wenig durchatmen und das ist wohl genau der richtige Zeitpunkt, mich mit einer Tasse Kaffee hinzusetzen und über eines meiner Lieblingsthemen zu schreiben: Patente. Im Speziellen die Patente auf MP3 und wie diese smartSound beeinflussen werden.
 
Die Geschichte von MP3
MP3s sind heute allgegenwärtig. iPod, Handy, PC - überall wird Musik in diesem unglaublich praktischen Format verwendet. Aber auch MP3 musste erst einmal entwickelt werden.  An der Entwicklung maßgeblich beteiligt war die Frauenhofer-Gesellschaft (bekannt durch die Frauenhofer-Institute), die mit 40% aus Steuermitteln finanziert wird. Durch diese Entwicklung hält die Frauenhofer-Gesellschaft, gemeinsam mit Thomson (mittlerweile unter dem Namen "technicolor"), einem börsennotierten Elektronikunternehmen mit Sitz in Paris, insgesamt 18 MP3-orientierte Patente.

So weit, so gut. 1992 wurde MP3 als Standard festgeschrieben und die Erfolgsgeschichte begann. Musik wurde über das Internet verteilt, in damals unglaublicher Geschwindigkeit: Bei den damals üblichen Internetanbindungen war es zuvor undenkbar gewesen, Musik aus dem Internet herunterzuladen. Zum Vergleich: Eine 80-minütige CD herunterzuladen, hätte mit einem damals üblichen 56K-Modem im Idealfall 8 Tage gedauert! Mit MP3 wurde nun, selbst bei höchster Qualität, nur noch ein Viertel dieser Zeit benötigt.

In den folgenden sechs Jahren verbreitete sich MP3 sehr rasch und 1998 wurden die ersten tragbaren MP3-Abspielgeräte auf den Markt gebracht. Nun, wo MP3 ein international akzeptierter Standard war, an dem kein Weg mehr vorbei führte, erhoben die Frauenhofer-Gesellschaft und Thomson Lizenzgebühren für Geräte, sowie Programme die MP3 lesen oder schreiben konnten. Und das ist der aktuelle Stand. Jeder, der so eine Software produziert und anbietet, muss Lizenzabgaben leisten. Wer sich die Preise anschauen will, der kann sich hier eine Übersicht finden.

Niemand weiß so genau, wann die MP3-Patente auslaufen. Manche Schätzungen gehen davon aus, dass es 2015 soweit sein müsste - allerdings nur unter der Bedingung, dass sie nicht verlängert werden.

Auswirkungen auf smartSound
Ja, ihr habt richtig gelesen: Wer einen Musikplayer mit MP3-Fähigkeit veröffentlicht und keine Abgaben an die Frauenhofer-Gesellschaft zahlt, macht sich strafbar. Es ist klar, dass sich ein nicht-kommerzielles Projekt diese Abgaben nicht leisten kann. Auch das bekannte LAME-Projekt (http://lame.sourceforge.net/) wurde mehrfach verklagt. Sie konnten aber stets damit argumentieren, dass sie lediglich Quelltext veröffentlichen, keinen fertiges MP3-Abspielprogramm.

Was bedeutet das also für uns? Zunächst einmal verwenden wir normalerweise das OGG-Format. OGG ist eine Alternative zu MP3 und wird in so manchem Test mit einer besseren Tonqualität bewertet. Vor allem aber ist es ein vollständig offenes Verfahren, es unterliegt also keinerlei Patenten. Das heißt, dass die geplante Musikdatenbank vollständig in OGG angeboten wird.

Wir wissen aber natürlich, dass wir da draußen niemanden dazu bringen können, alle seine MP3s nun ersteinmal in das OGG-Format umzuwandlen, um sie in smartSound benutzen zu können. Daher verwenden wir die irrKlang-Engine für das Abspielen unserer Musik. irrKlang beherrscht auch das MP3-Format, jedoch mit einem subtilen, aber für uns sehr wichtigen Unterschied: Die Unterstützung von MP3 ist als Plugin organisiert, d.h. eine einzelne zusätzliche Datei sorgt dafür, dass irrKlang MP3s abspielen kann. Wenn wir also aus den oben genannten, patentrechtlichen Gründen keine MP3-Unterstützung mitliefern wollen, so können wir diese Datei einfach herauslassen und haben keine Probleme mehr. Aber: Jeder einzelne Nutzer kann trotzdem noch dieses Plugin herunterladen, in den richtigen Ordner entpacken und kann somit smartSound mit MP3s verwenden!

Wir haben heute an den Autor der irrKlang-Engine eine Mail verschickt, in der wir darum bitten, dass sie die Plugins auf ihrer Seite separat zum Download anbieten. Das würde es euch bei der Nutzung von smartSound sehr einfach machen, das Plugin nachzurüsten. Auch könnten wir (in etwa so, wie das bei neuen Linux-Installationen passiert) das Plugin aus smartSound heraus automatisch herunterladbar machen. Aber das ist noch ein wenig Zukunftsmusik.

Das heißt also: Wir können MP3-Unterstützung nicht direkt in smartSound mitliefern. Wir arbeiten aber daran, es euch möglichst einfach zu machen, diese nachzurüsten. Wie immer freuen wir uns über alle Kommentare und Anregungen zu dem Thema.

1 Kommentar:

  1. Wenn die Frauenhofer-Gesellschaft zu 40 % von "meinen" Steuern bezahlt wird, habe ich auch ein RECHT die Ergebnisse mit zu benutzen!!!

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