Montag, 13. Juni 2011

Kapitel III - Von Szenen, Skizzen und Listen

In den letzten Blogposts haben wir uns eigentlich immer nur über das "Wie?" unterhalten. Wir haben über Open Source philosophiert und darüber, wie man möglichst viele Betriebssysteme auf einmal austricksen kann. Uns ist auch ein großer Schritt gelungen: Mit dem Technik-Prototypen haben wir den ersten Ausflug in die Entwicklung gemacht und können nun sicher sein, dass unser Konzept umsetzbar ist. An dieser Stelle noch einmal ein großes Dankeschön an alle fleißigen Tester dort draußen. Ihr habt uns wirklich sehr geholfen.



Diskussionsstoff

Nachdem unsere Grundlagen also gelegt sind (ideell sowie technisch), können wir uns nun also verstärkt um das "Was?" kümmern. Dieses Mal stellen wir euch also unsere Konzepte zur Oberfläche des Players vor. Dabei ist es uns wichtig zu betonen, dass hier keine endgültigen Entscheidungen gefallen sind. Im Gegenteil: Dieser Blogpost soll schlichtweg eine Grundlage zur Diskussion sein, sodass ihr ganz konkret eure Vorschläge machen könnt. Wir hoffen daher auf viele Kommentare hier im Blog und Posts in den entsprechenden Forenthreads, die ihr mittlerweile auf der rechten Seite verlinkt seht.
Was es allerdings noch nicht zu sehen geben wird, sind Konzeptzeichnungen zu den Funktionen der Bibliothek. Das ist ein großer und auch teilweise losgelöster Teil des Gesamtsystems und wird daher mindestens einen eigenen Blogpost erhalten.
Außerdem mögt ihr bitte entschuldigen, dass die Bezeichnungen auf den Skizzen englisch sind. Als Informatiker ist man es nach einiger Zeit gewohnt, bei der "Arbeit" auf englisch zu denken. Wenn euch Deutsch aber lieber ist, meldet euch einfach, dann gibt's die nächsten Zeichnungen auch in der Muttersprache - die Endversion von smartSound wird's aber in jedem Fall auf Deutsch geben.

Ad-Hoc Modus

Auf Anregung von Helmar aus dem DSA4-Forum haben wir vor dem komplexen System, das wir euch weiter unten vorstellen wollen, einen zusätzlichen, einfacheren Modus hinzuzufügen.

Der Ad-Hoc Modus ist für all diejenigen gedacht, die sich entweder nicht unendlich viel Arbeit mit der Vorbereitung machen möchten, oder aber als Spielleiter unverhofft in eine Situation geraten, für die sie keine passende Musik vorbereitet haben.
Fangen wir auf der rechten Seite an: Dort findet sich eine Liste von Soundeffekten. Für die Auslieferungsversion von smartSound werden wir ein Set von Soundeffekten zusammenstellen, die am häufigsten gebraucht werden. Das gruselige Türknarren ist dabei genauso ein Kandidat, wie der surrende Pfeil. Aber das ganze wäre nicht smartSound, wenn es sich nicht konfigurieren ließe: Über das Symbol in der rechten unteren Ecke lassen sich Einträge löschen, hinzufügen, oder auch die Shortcuts neu setzen.

Unten links befindet sich eine ganz klassische Playlist, wie man sie aus den meisten Musikprogrammen kennt. Hierhin können mit der Maus eigene Tracks hingezogen werden, aber natürlich auch aus der Bibliothek importiert. In dem Beispiel oben hätte sich jemand also drei Musikstücke für das Finale seines Spielabends herausgesucht: Das überraschende Auftreten des Bösewichts ("Surprise"), möglicherweise ein Monolog über seine bösen Absichten ("Bad Guy") und ein fulminantes Stück für den Endkampf ("Endfight"), das dann in der Dauerschleife gespielt werden soll. Natürlich wäre es hier auch möglich, die ganze Liste in der Schleife laufen zu lassen, bzw. die Reihenfolge der Stücke zufällig zu machen - auch wenn das hier in der Zeichnung nicht explizit auftaucht.

Der wirklich interessante Teil befindet sich allerdings links oben. Bezeichnungen wie "Atmosphere/Suspense" bezeichnen Tags. Also etwa der Tag "Suspense" (Spannung) aus der Kategorie "Atomsphere" (Stimmung). Die derzeitige Einstellungen würden folgendes bewirken: Die abgespielten Stücke sind passend zur Stimmung "Spannung" und zur Region "Dschungel", oder aber sie sind passend zur Stimmung "Mysteriös" und zur Region "Dschungel". In keinem Fall aber soll Kampfmusik verwendet werden.
Mit diesen Einstellungen ausgerüstet, sucht der Player also aus der Bibliothek zufällige Musikstücke, die passende Tags tragen. Somit ist es dann möglich, mit wenigen Klicks die Szene in Form von Tags zu beschreiben und durch die passende Musik parat zu haben.

Ein kurzes Wort zu den Schaltflächen für wie "Play" oder "Next": Diese lassen sich selbstverständlich auch mit Tastenkürzeln belegen, wie so ziemlich jede Schaltfläche, die mit der Steuerung von smartSound am Spieltisch zu tun hat. Das gilt natürlich auch für den Expertenmodus.

Der Expertenmodus

Dieser Modus richtet sich an all jene, die nicht einfach Hintergrundmusik haben wollen, sondern genau im richtigen Moment das richtige Musikstück. Er ist aber vor allem auch geeignet, komplexe Klangszenarien zu kreieren, also eine Szene im Wald nicht nur mit passender Musik, sondern auch mit Vogelzwitschern zu begleiten.

Was sind hier nun also die Unterschiede zum Ad-Hoc Modus? Zunächst einmal ist das, was wir hier sehen, eine sogenannte Szene, nämlich die Szene "Prologue". Andere Szenen, die etwa an diesem Spielabend ebenfalls auftreten sollen, können über die Registerkarten oben erreicht werden.
Eine Szene besteht aus unterschiedlichen Listen. Eine Liste hat jeweils einen Typ, darauf gehen wir aber erst später ein, deswegen sei es hier erstmal nur kurz erwähnt und soll nicht weiter stören.
Im Großen und Ganzen ähnelt diese Ansicht dann doch wieder dem Ad-Hoc Modus, aber es gibt ein paar Besonderheiten: So sind oben rechts bei den Effekten zwei Effekte miteinander verkettet. Das bedeutet, dass wenn der erste Effekt abgespielt wird, direkt danach der zweite folgt. In diesem Falle ertönt also eine Explosion und darauf folgen panische Schreie, ohne dass noch eine zusätzliche Taste gedrückt werden müsste.
Wie in der Zeichnung bei den Soundeffekten angedeutet, lassen sich einzelne Listeneinträge mit Tastenkürzeln versehen. Diese Tastenkürzel haben dann etwa den Effekt, den man im Normalfall aus jedem Musikplayer von einem Doppelklick auf einen Titel in der Liste kennt: Die Liste springt zum Anfang dieses Titels und spielt ab dort ab.

Mit dem "+"-Zeichen unten rechts lassen sich neue Listen hinzufügen. Aber: Wohin mit denen? Mit vielen Listen kann es ganz schön unübersichtlich werden, vielleicht wird der Bildschirm auch in eine Richtung zu klein (vielleicht weil man smartSound am liebsten schmal ganz am Rand laufen lassen möchte). Wir haben uns daher überlegt, dass es doch toll wäre, die Listen nach eigenem Gutdünken arrangieren zu können.

Hier sehen wir also wie die Liste "Effects" auf die linke Seite verschoben wird. Wo sie eingefügt wird, zeigt die horizontale Linie zwischen den beiden anderen Listen an. Das Ergebnis wäre in diesem Fall also smartSound in Form einer schmalen Leiste, die man an den Bildschirmrand ziehen kann, sodass sie wenig bei anderen Aktivitäten stört.

Nun aber zu den ominösen Listentypen. Vielleicht mag sich manch einer bei der Beschreibung mit den verketteten Musikstücken schon gewundert haben: Ist es denn nicht der "Normalfall", dass das darauffolgende Stück sowieso abgespielt wird? Aber das wäre für Soundeffekten ziemlich ungeschickt: Denn man möchte ja eigentlich nicht, dass beim Druck einer Taste alle Soundeffekte des ganzen Abenteuers durchgerattert werden. Abhilfe würde da nur schaffen, für jeden Effekt eine einzelne Liste anzulegen - das würde nur ziemlich schnell zu einer ziemlich überfüllten Benutzeroberfläche führen.
Man möchte bei Soundeffekten also gerade nicht, dass der nachfolgende Titel automatisch abgespielt wird. Diese und ähnliche Einstellungen lassen sich in den Eigenschaften der Listen verändern.

Exemplarisch sei hier also die bereits angesprochene Liste für die Soundeffekte herausgenommen. Ganz oben ist die Option "Use Template" (also "Nutze Vorlage") aktiviert. Das bedeutet, dass die Einstellungen für diese Liste aus einer Vorlage entnommen werden, es muss also nicht alles von Hand gemacht werden.
Aus diesem Grund sind die Einstellungen darunter auch allesamt ausgegraut. Wir wollen uns trotzdem einmal anschauen, welche Einstellungsmöglichkeiten es hier gäbe: Zu allererst ist die Eigenschaft gesetzt, die wir von einer Liste für Effekte erwarten würden, nämlich "Stop after each sound", also ein Stoppen des Abspielens nach jedem Titel (außer sie sind verkettet). Darunter finden sich drei stark miteinander verwandte Einstellungen, nämlich Einblenden, Ausblenden und Überlappung. Ein- und Ausblenden sorgen dafür, dass ein Titel nicht mit der vollen Lautstärke anfängt bzw. aufhört, also über den angegebenen Zeitraum die Lautstärke langsam ansteigt bzw. abflacht. Ist als zusätzliche Einstellung jetzt noch die Überlappung aktiviert (also der nächste Titel beginnt, bevor der jetzige aufgehört hat), so erhält man das sogenannte Crossfading, also ein weicher Übergang eines Titels in den nächsten.

Auf der linken Seite lassen sich nun allerlei Dinge vom Zufall abhängig machen. Das ist als allererstes die Reihenfolge der Stücke ("Randomize"). Für Hintergrundgeräusche kann es sich anbieten, diese nicht nur in einer zufälligen Reihenfolge, sondern auch zu zufälligen Zeitpunkten abspielen zu lassen: Ist "Play at random times" aktiviert, so wird vor dem Abspielen jedes Geräusches eine zufällige Zeit (in der Standardeinstellung hier also zwischen zwei und fünf Sekunden) gewartet.
Wem das noch nicht genug ist und den Drang verspürt, das Vogelzwitschern der Umgebung noch realistischer zu gestalten, der kann die Option "Play at random volumes" benutzen. Hier wird das abgespielte Geräusch also noch auf eine zufällige Lautstärke gesetzt, wieder aus einem bestimmten, vorher gesetzten Bereich.


Gerade bei diesen möglichen Einstellungen sehen wir noch Potential. Wenn ihr also das Gefühl habt, dass hier noch etwas fehlt, fänden wir es toll wenn ihr uns eure Idee zukommen lassen könntet.
Aber das gilt natürlich auch für jede andere Form von Lob, Kritik und Anmerkung - denn das ist auch schon wieder das Ende des Blogposts zu unseren ersten Gedanken zur Benutzeroberfläche. Wir danken jetzt schonmal all jenen, die uns mit Ideen versorgt haben - davon sind bereits viele in diese Konzepte eingegangen. Intern setzen wir uns nun an unser Konzept zur Soundbibliothek. Bis dann!

Kommentare:

  1. Also schon sehr ausführlich alles bedacht und sehr geniale Ansätze wenn sich das ganze dann auch so einfach steuern lässt wie hier beschrieben dann Hut ab!!!
    Falls ihr dann nachher grafiken braucht um das ganze aufzuhübschen stehe ich gern zur seite

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  2. Hallo Necrohive,

    dankeschön für das Lob. Das mit den Grafiken ist ein tolles Angebot, auf das wir sicherlich gern zurückkommen werden :)

    Gruß,
    André

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